Samstag, 9. Dezember 2017

BUCH Robert Domes - Nebel im August: Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa

Ein sehr berührendes Buch!
Eigentlich mag ich schon gar nichts mehr über Hitler lesen, denn dieses Thema wird derart breitgetreten wie kein anderes. Über die Gräueltaten und Verbrechen der Katholiken hört und sieht man auch nichts, obwohl durch deren Hand ein Vielfaches an Menschenleben als im 2. Weltkrieg ausgelöscht wurden!
Und war da nicht auch was Ähnliches im 1. Weltkrieg in der Türkei, der Völkermord an den Armeniern? Hat daran die Welt kein Interesse? Liegt der Unterschied darin, dass der eine Genozid von den Deutschen verübt wurde und der andere von den Türken? Oder liegt es an den Opfern, ist die Geschichte der Juden interessanter als die der Armenier?
Es heißt ja, Geschichte wird von den Gewinnern geschrieben, aber das trifft in dem Fall auch nicht zu, denn auch das Osmanische Reich war einer der Verlierer und ist danach zerfallen.
Es ist nicht leicht, die Welt zu verstehen...

Aber trotzdem komme ich nicht drumherum, immer wieder fällt mir was in die Hände. So auch dieses Buch. Aller Abneigung dieses Themas zum Trotz war ich schon nach den ersten Seiten gefesselt!


„Wenn ich ihn nicht euthanasiert hätte, dann wäre er halt in eine andere Anstalt gekommen.“
Dr. Valentin Faltlhauser, der Ernst Lossas Ermordung angeordnet hat, bei der Gerichtsverhandlung.


Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von „Jenischen“, Zigeuner, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich in die psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren eingewiesen wird.

Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird – obgleich geistig völlig gesund – mit dem Stempel „asozialer Psychopath“ als unwertes Leben aus dem Weg geräumt.


Der Journalist Robert Domes erzählt aus der Perspektive des Jungen mit beeindruckender Intensität. Er macht die Denkstrukturen des nationalsozialistischen Regimes sichtbar und berichtet von der damit einhergehenden Ideologie der Euthanasie.

• Eine wahre Geschichte
• Gründlich recherchiert, einzigartig berührend erzählt


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