Samstag, 29. Juli 2017

JETZT IM KINO: Die Kinder lassen grüßen

Eine Dokumentation, bei der mir zeitweise richtig schlecht geworden ist. Und bei der ich zwei, drei Mal an meine eigene Schulzeit in der Klosterschule der Franziskanerinnen in Vöcklabruck erinnert wurde. Dort gab es zwar keine sexuelle oder körperliche Gewalt, dafür jedoch eine Fülle an emotionalen Misshandlungen. Nur gut, dass ich stark genug gewesen bin und mich nicht habe unterkriegen lassen von deren weltfremden Ansichten ("Ihr werdet alle verkrüppelte Kinder bekommen wegen euren engen Hosen!" oder "Von Tampons bekommt ihr Krebs!", um nur einige zu nennen. Oder das Streichen der Mittagspause für die gesamte Klasse, nur weil einige Mädchen - ja, ich war auch darunter! *hihi* - sich in der Pause mit einem Jungen unterhalten haben! Welch Frevel!!). Ich habe weiterhin alles hinterfragt, was mir unlogisch erschien und glaube auch heute nicht alles, was mir vorgesetzt wird.
Gerade der Umstand, dass unbedingter und blinder Gehorsam verlangt wurde, hat genau das Gegenteil bei mir bewirkt und mich schon als 11-Jährige selbstständiges Denken gelehrt.
So gesehen hat mich dieses System, das nur auf Macht und Geld basiert und dem wirkliches Mitgefühl und Nächstenliebe ein Fremdwort ist, positiv geprägt, wie ich jetzt im Nachhinein sagen kann, auch wenn der Weg für mich als Kind in der Schule ein steiniger war! Zumindest so lange, bis ich endlich auf eine öffentliche Schule wechselte. 😊

Anders erging es den Betroffenen, von denen drei nach dem Film zum Filmgespräch da waren. Das Schlimmste ist wohl, dass die Kirche bis heute nicht nur alles abstreitet, sondern die pädophilen Kriminellen sogar in ihren Ämtern bleiben und munter seit Jahrzehnten ihren Leidenschaften frönen.
Sehr nachdenklich macht auch ein Satz ganz am Schluss des Films. Ein Betroffener sagt, dass er nicht nur der Kirche die Schuld gibt, sondern auch die Bevölkerung einen großen Teil dazu beiträgt, weil zwar viele davon gewusst haben, aber keiner was unternimmt. In meinen Augen macht sich sogar jeder mitschuldig, der die Katholiken finanziell mit seinem "Kirchenbeitrag" unterstützt. Auch wenn die Kirche schon unfassbar viele Reichtümer angehäuft hat, bekommt sie (allein in Österreich!) jedes Jahr weit über 400 Millionen Euro allein durch Beiträge! (Quelle: Der Standard) Somit hat wohl jeder Beitragszahlende einem Kinderschänder schon mal ein Mittagessen bezahlt, seine Stromrechnung oder Kleidung!!

Ich finde, dieser Film würde sich nicht schlecht machen im Babypaket, das jede frischgebackene Mutter im Krankenhaus geschenkt bekommt, damit sie es sich 2x überlegt, ob sie ihr Kind taufen lässt und zu diesem abscheulichen Verein dazubringt!


Jugendfrei ab 16

Sie heißen Georg, Inge, Jo, Sepp, Paula, Walo, Anita, Klaus und Klaus. Sie waren Ministranten, Schüler, Schutzbefohlene, Heimkinder und wurden von Priestern und Nonnen sexuell, emotional und körperlich misshandelt.

Begleitet von der Kamera suchen die Betroffenen die Tatorte von damals auf, viele machen ihre Geschichten erstmals öffentlich, auch ihre Familien erfahren zum ersten Mal von diesem verschwiegenen Schmerz. Ein beklemmender Einblick in das wohl größte Verbrechen der Nachkriegszeit.

Der unaufgearbeitete Missbrauch bleibt ein Trauma quer durch die Gesellschaft, ermöglicht durch ein Milieu der Unterdrückung und der Gottesfürchtigkeit. Bis heute sind Kirche und Staat Verbündete dieser Vertuschung.

Eine Anklage, die sprachlos macht, aber auch Hoffnung: „Ich habe alles gesagt, ich bin jetzt kein Opfer mehr“, sagt Jo, einer der Protagonisten des Films.



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