Freitag, 18. November 2016

HÖRBUCH Arthur Schnitzler - Traumnovelle

Als ich von diesem Hörbuch die ersten Sätze gehört hatte, wollte ich es fast schon beiseite legen und den nächsten USB-Stick in den Radio stecken, weil mir der Schreibstil zu altmodisch erschienen ist.
Die passionierten Häklerinnen unter euch kennen aber sicher das "Nur noch eine Reihe, dann...!"  Also ist es halt so nebenbei weiter gelaufen, während ich die Häkelnadel geschwungen habe, bis mir die Geschichte nach und nach irgendwie bekannt vorgekommen ist. Nach einem Check bei Amazon war dann klar, dass dieser Roman die Vorlage für den Film "Eyes Wide Shut" mit Tom Cruise und Nicole Kidman war! Mit dem Unterschied, dass die "Traumnovelle" in Wien um die Jahrhundertwende spielt.

Ich hab dann auch gleich meine DVD-Kiste durchwühlt und auch wirklich "Eyes Wide Shut" darin gefunden, den ich schon ewig nicht mehr gesehen habe.
Die deutsche Synchronfassung finde ich aber blöd, so richtig hat mir der Film noch nie gefallen, was daran liegt, dass Nicole Kidman ist hier wirklich schlecht synchronisiert ist. Ihr Tonfall ist meistens total übertrieben und wirkt so unecht und aufgesetzt. Ich hab dann auf die amerikanische Originalfassung umgeschaltet und muss sagen, ihre eigene Stimme macht den Film um Häuser besser!
Und weil bei dem Film größtenteils auf Hintergrundmusik verzichtet wurde, ist das Englisch auch besser zu verstehen als sonst bei anderen Originalfassungen.



Fridolin und Albertine sind das perfekte bürgerliche Ehepaar. Er erfolgreicher Arzt, sie Hausfrau und Mutter.

Doch unter dieser Schicht der Normalität brodelt in beiden das Verlangen nach Abenteuern außerhalb der Grenzen des Gewohnten und gesellschaftlich Akzeptierten. Und sie erfüllen sich ihre Wünsche, er in der Realität, sie im Traum.

Fridolin gerät eines Abends mit Hilfe eines Freundes auf die Party eines Geheimbundes, dessen Mitglieder, allesamt maskiert, wilde Orgien feiern. Fridolin gerät in den Bann einer Frau, die ihn drängt, das Fest sofort zu verlassen, da Eindringlinge streng bestraft würden. Doch er bleibt... und wird enttarnt. Kurz bevor er seine Bestrafung erleidet, opfert sich die geheimnsisvolle Frau für ihn.

Albertine hingegen träumt, dass sie und Fridolin kurz vor ihrer Hochzeit einen Urlaub am Wörthersee verbringen. Da wird er von einer Art Stamm gefangengenommen und könnte der Todesstrafe nur entgehen, wenn er sich der Stammesführerin hingibt. Doch das lehnt Fridolin aus Treue zu Albertine ab. Diese schaut sich unterdessen seine Hinrichtung in den Armen eines anderen Mannes an und verspürt keinerlei Mitleid.

Beide hatten das Bedürfnis, sich für kurze Zeit aus den Fesseln der gesellschaftlichen Konventionen zu befreien. Doch sie verheimlichen sich ihre Begierde nicht, sondern berichten dem jeweils anderen von ihren Erlebnissen. Ihre Reaktion auf das Erkennen des Menschlich-Animalischen im anderen und in sich selbst ist klassisch und oft zitiert: "Kein Traum ist völlig Traum und keine Wirklichkeit ist völlig Wirklichkeit."


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